Welche Intraokularlinse wird bei mir implantiert werden?

Wenn Sie sich diese Fragen stellen, gehören Sie zur Minderheit der Katarakt-Patienten, die sich Gedanken über Ihre neue künstliche Linse machen. Die grosse Mehrheit der Patienten ist nicht über das Modell der Intraokularlinse informiert, die verwendet worden ist oder verwendet werden soll.
Etwas vereinfacht ausgedrückt hat diese Tatsache zwei Gründe:

  • Die Patienten haben keine Informationen über die Vielzahl unterschiedlicher Intraokularlinsen und kennen nicht deren teilweise grossen Unterschiede
  • Die Patienten legen die komplette Entscheidung über die Linsenauswahl in die Hand des Augenchirurgen.

Um zu verstehen, welches Linsenmodell Ihr Augenarzt auswählt, müssen Sie zunächst den “Linsentyp” kennenlernen (klicken Sie in der Webseite auf “IOL-Typ”):
Mit nur einem Brennpunkt bzw. für nur eine Entfernung (monofokal sphärisch oder asphärisch), mit mehreren Brennpunkten bzw. für mehrere Entfernungen (multifokal), mit Korrektur einer Hornhautverkrümmung (torisch) …
Normalerweise bieten Linsenhersteller für jeden “IOL-Typ” mindestens ein Basismodell an. Wenn wir von z.B. multifokalen Intraokularlinsen sprechen, finden wir bei dem Hersteller Oculentis die “Lentis MPlus X”, bei Alcon die “Acrysof IQ Restor, bei Zeiss die “AT LISA tri”… entsprechend für jeden anderen IOL-Typ.
Investieren Sie in diesem Portal 3 Minuten, um sich die Linsen der Hersteller anzuschauen, Design, Material, Grössen … sie variieren und sind teilweise sehr verschieden. Man kann sich also leicht vorstellen, dass sich nach Implantation auch das Sehen der Patienten abhängig von implantierter Linse unterscheidet.

Kann ich mich als Patient an der Auswahl des Typ Intraokularlinse beteiligen?

Meist im Rahmen der Voruntersuchung für eine Operation des Grauen Stars oder einer Operation zur Beseitigung der Alterssichtigkeit, wird Sie Ihr Augenarzt fragen, welche Erwartungen Sie an das Sehen nach einer Operation haben bzw. mit welcher Sehqualität Sie rechnen können.
Abhängig von Ihrem Wunsch nach Brillenunabhängigkeit in allen Entfernungen, ob Sie eine Hornhautverkrümmung aufweisen oder nicht, Sie eine Monovisionslösung anstreben… Ihr Augenarzt wird einen jeweils passenden IOL-Typen bestimmen.
Die oben gestellte Frage kann uneingeschränkt mit ja beantwortet werden, da Sie ein grosses Interesse daran haben, die für Sie passende Linse zu erhalten

Kann ich mich als Patient an der Auswahl des Intraokularlinsen-Modells beteiligen?

Auch wenn es etwas eigenartig klingt, so ist die Antwort auf diese Frage doch abhängig davon in welchem Land sie leben.
In einigen Ländern wissen die Patienten genau welche Linse sie erhalten oder zwischen welchen Modellen sie auswählen können. Häufig orientieren Sie sich dabei an den Erfahrungen anderer Patienten oder Freunden. Auch kann man leicht Kliniken finden, die eine Chirurgie des Grauen Stars oder eines Linsenaustausches explizit mit einer speziellen Linse anbieten.
In allen Fällen ist letztlich aber der Augenarzt dafür verantwortlich und entscheidet, ob ein Patient für eine jeweilige gewünschte Linse in Frage kommt.

Und wenn mich mein Augenarzt nicht über die Intraokularlinse informiert, die er bei der Operation des Grauen Stars einsetzen möchte

Kein anderer als Ihr Augenarzt weiss besser, welche Linse für Sie am geeignesten ist. Abhängig von Ihren Erwartungen an die Linseneigenschaften, kann er die Linse heraussuchen, die am Besten für Sie geeignet ist.
Es gibt Augenärzte, die Ihre Patienten vor dem Eingriff genau über das Linsenmodell informieren, andere tun dies nicht. Auf alle Fälle wird das Linsenmodell aber in Ihrer Krankenakte dokumentiert.
Wir empfehlen Ihnen, mit Ihrem Augenarzt ausführlich die Wahl der Intraokularlinse zu besprechen, damit Sie sicher sind, ihm alle Informationen gegeben zu haben, die für Sie geeigneste Linse auszusuchen.

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2 Antworten auf „Welche Intraokularlinse wird bei mir implantiert werden?“

  1. Ich hatte Mitte Oktober 2015 eine graue Star Operation. Mir wurde eine monofokale Linse der Firma Abbott eingesetzt. Ich sehe wunderbar, aber meine Farbwahrnehmung hat sich geändert. Ich sehe alles mit einem leichten Blaustich. Das stört mich sehr. Erst nach Recherchen im Internet fand ich dann heraus, dass es Linsen mit Blaulichtfilter gibt. Das wusste ich vorher nicht, mein Arzt hat mir das auch nicht gesagt. Bei der Voruntersuchung für die OP am zweiten Auge konnte er mir keine schlüssige Erklärung dafür bieten, warum er mir nicht eine Blaulichtfilterlinse eingesetzt hat. Er bot mir jedoch an auf meinen Wunsch eine solche Linse in das zweite Auge einzusetzen. Allerdings habe er keinen Patienten, der zwei verschiedene Linsen habe. Nun muss ich mich kundig machen und entscheiden, welche Linse ich haben möchte. Immerhin sehe ich mit meiner natürlichen Linse noch die Originalfarben.

  2. Sehr geehrter User,

    eine geänderte Farbwahrnehmung nach einer Katarakt-Operation wird nicht selten von Patienten angegeben. Die optisch wirksamen brechenden Medien wurden ja komplett verändert und eine getrübte körpereigene Linse gegen die klare künstliche Linse ausgetauscht.

    Ihre eigene Linse im zweiten Auge weist vermutlich auch schon eine Trübung aus, so dass man davon ausgehen kann, dass der wahre Farbeindruck mit diesem Auge durch die Linsentrübung verfälscht ist. Eine unterschiedliche Farbwahrnehmung ist damit vielfach erklärt.

    Blaulichtfilterlinsen (das sind gelbe künstliche Linsen, die den energiereichen Teil des blauen Lichtes herausfiltern) wurden entwickelt, um einen möglichen schädlichen Einfluss der energiereichen blauen Lichtstrahlen auf die Netzhaut zu verhindern. Dies bedeutet aber nicht, dass man nicht mehr blaue Farben sehen kann. Es wird nur ein sehr kleiner Teil des Strahlenspektrums herausgefiltert, so dass Farbwahrnehmungen dadurch nicht verändert werden sollen. In vielen Studien wurde dies untersucht, die Ergebnisse sind allerdings nicht immer eindeutig. Eine geänderte Farbwahrnehmung durch Blaulichtfilterlinsen konnte aber meist in solchen Studien nicht klar belegt werden. Es existieren sporadische Berichte über Patienten, die an einem Auge eine „normale“ Linse implantiert bekamen und auf dem anderen Auge eine Blaulichtfilterlinse. Meist wurden keine klaren subjektiven Unterschiede von den Patienten hinsichtlich des Farbensehens angegeben.

    Der Sinn und die Wirksamkeit von Blaulichtfilterlinsen ist nicht genau nachgewiesen. Ein theoretischer Schutz ist aber nachvollziehbar, da weniger potentiell schädigende energiereiche Strahlen auf der Netzhaut eintreffen. Daher empfehlen und implantieren viele Augenchirurgen gelbe Linsen bei einer vorliegenden Makuladegeneration.

    Falls Sie keine Netzhautschädigung auf der Makula aufweisen, sollte man aber eher an beiden Augen eine identische Linse implantieren, damit keine evtl. optischen Unterschiede generiert werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Ludger Hanneken

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