Sehnverschädigung infolge Glaukom, Schlaganfall, Trauma – neue Hoffnung für ein besseres Sehen?

Wenn eine Schädigung des Sehnerven zu einer Einschränkung des Gesichtsfeldes führt, gibt es bislang kaum Hoffnung, eine Besserung zu erzielen. Das Glaukom (grüner Star) ist die häufigste und bekannteste Ursache einer Sehnervschädigung. Weitere Ursachen können zB. Unfälle mit Abriss oder Quetschung des Sehnerven sein. Ein Schlaganfall kann zu einer Minderdurchblutung des Sehnerven oder anderer Hirnregionen, die für das Sehvermögen wichtig sind, führen und in der Folge zu einem Gesichtsfeldausfall. In einer 2016 veröffentlichten Studie konnte nun gezeigt werden, dass die elektrische Stimulation des Sehnerven von außen, also ohne den Sehnerv in der Augenhöhle oder im Gehirn direkt erreichen zu müssen, das Sehvermögen verbessern kann.

Präklinische Studien zeigten im Tiermodell in den vergangenen Jahren, dass die elektrische Stimulation des Sehnerven direkt nach seiner Durchtrennung das Absterben der Netzhautsinneszellen vermindern kann. Dieser schützende Effekt ist unter dem Begriff Neuroprotektion bekannt. Auch die Erholung und Neubildung der Leitungsfasern (Axone) des Sehnerven nach einer Quetschung wird durch die elektrische Stimulation verbessert (Neuroregeneration)– und zwar umso mehr, je intensiver die Therapie angewandt wird. Anhand der Messung visuell evozierter Potentiale – einem Test, der prüft, wie schnell der Sehnerv am Auge aufgenommene Informationen in die Sehareale des Gehirns im Hinterkopf weiterleitet – ließ sich beweisen, dass nicht nur die anatomische Erholung des Sehnerven günstig beeinflusst wird, sondern tatsächlich auch die visuelle Signalverarbeitung des Gehirns und damit die Sehwahrnehmung. Warum ist das möglich? Bei einer Schädigung des Gewebes verschlechtert sich das Sehvermögen zwar häufig schnell, die Nervenfasern sterben jedoch erst langsam ab und häufig sind nicht alle Zellen und Fasern geschädigt. Durch die Störung des Zusammenspiels der Nervenzellen und –fasern können auch die überlebenden Zellen kein Bild mehr entstehen lassen, da ihre bisherigen funktionierenden Verknüpfungen unterbrochen und gestört wurden. Die elektrische Sehnervstimulation führt zu einer Anregung der verbliebenen Zellen, die sich wieder mit anderen Zellen und Hirnarealen verbinden. So wird das neuronale Netzwerk erneut synchronisiert und die Funktion verbessert. Diesen Vorgang bezeichnet man als Neurosynchronisation. Das Therapieverfahren nennt sich EBS, dieses Akronym steht für Electrical Brain Synchronization.

Aktuell wurde eine Untersuchung mit 82 Patienten veröffentlicht, die einen Gesichtsfeldverlust aufgrund einer Schädigung des Sehnerven erlitten hatten. Sie wurden in 2 Gruppen aufgeteilt und mittels elektrischer Sehnervstimulation unterschiedlicher Intensität behandelt. Anhand spezifischer Gesichtsfeldprüfungen wurde ermittelt, dass die intensiver stimulierte Gruppe, eine deutliche Verbesserung des Sehvermögens erfuhr.

FAZIT: Die Autoren der Studie schließen auf eine günstige Beeinflussung des Gesichtsfeldes und Sehvermögens bei akuten Schädigungen des Sehnerven mithilfe der elektrische Stimulation, die das Nervengewebe vor weiterem Absterben schützt, die Regeneration fördert und eine Neu-Synchronisation der verbliebenen Nervenzellen bewirkt. Sehbeeinträchtigungen infolge Durchtrennung oder Quetschung des Sehnerven aber auch bei chronischen Schädigungen wie z.B. im Rahmen eines Grünen Stars (Glaukom) können so verbessert werden. Gesichtsfeldausfälle nach Durchblutungsstörungen zB. Im Rahmen eines Schlaganfalls konnten ebenfalls verkleinert werden. Ein frühzeitiger Beginn der elektrischen Sehnervenstimulation und eine intensive Therapie scheinen für beste Ergebnisse notwendig zu sein.  Weitere Untersuchungen an größeren Gruppen sind nötig, um optimale Therapiekonzepte festzulegen. Spannende Fragestellungen wie z.B. ob die elektrische Sehnervstimulation auch nach entzündlichen oder degenerativen Prozessen des Sehnerven z.B. im Rahmen einer Multiplen Sklerose eine günstige Auswirkung hat, könnten zukünftig überprüft werden.

Quellen:

Concept Ophthalmologie, 04/2016, S. 30-32: Ellrich, Jens: Besseres Sehvermögen durch Optikusnerv-Stimulation

http://www.ebs-therapie.de/pdf/Pressemitteilung_EBS_Therapie_Fachmedien_Maerz-2015.pdf

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